Dachstuhl erneuern & sanieren – Typen, Holzarten & Planung Schweiz

Der Dachstuhl ist das tragende Holzskelett Ihres Hauses. Dieser Ratgeber erklärt die drei wichtigsten Dachstuhlkonstruktionen, welche Holzarten der Zimmermann verwendet und worauf Sie bei Neubau oder Sanierung achten müssen.

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Kurzantwort: Welcher Dachstuhl eignet sich für mein Haus?

Für Einfamilienhäuser mit Steigungen 30°–50° ist der Sparrendach der Standard – günstigste Konstruktion, ab CHF 150/m² Dachfläche. Das Pfettendach eignet sich für grössere Spannweiten und Walmdächer. Massivholzdachstühle aus BS-Holz oder Brettsperrholz (CLT) kommen bei anspruchsvollem Architekturholzbau zum Einsatz. Bei Sanierungen nur die geschädigten Sparren und Pfetten ersetzen, solange die Haupttragstruktur intakt ist.

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Die drei wichtigsten Dachstuhlkonstruktionen im Vergleich

Jede Konstruktionsform hat spezifische Stärken bei Spannweite, Dachneigung und Ausbaupotenzial im Dachgeschoss:

SparrenKehlbalkenSPARRENDACHStandard · 30°–50° · bis 9 m Spannweite
MeistverbautWirtschaftlich

Sparrendach

Die klassischste und günstigste Dachstuhlform. Zwei gegenständige Sparren bilden zusammen mit einem Kehlbalken ein steifes Dreieck. Ideal für Spannweiten bis 9 m, Dachneigungen 30°–50°. Kein Firstbalken nötig – First bildet sich durch die gegenseitige Abstützung der Sparren.

Kosten: CHF 150–220/m² Dachfläche inkl. Material und Montage. Dachausbau: Eingeschränkt, Kehlbalken begrenzt die Stehhöhe.

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MittelpfettePFETTENDACHGrosse Spannweiten · Walmdächer · Ausbau
Grosse SpannweitenWalmdach

Pfettendach

Sparren werden auf horizontal liegenden Pfetten aufgelagert, die von Innenwänden oder Stützen getragen werden. Geeignet für Spannweiten über 9 m, Walmdächer und Mansardendächer. Ermöglicht vollständigen Dachausbau ohne Kehlbalken im Weg.

Kosten: CHF 200–280/m² Dachfläche. Ausbau: Sehr gut geeignet, volle Raumhöhe nutzbar.

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BSHMASSIVHOLZ (BSH / CLT)Architektur · Sichtholz · hohe Lasten
ArchitekturholzbauSichtholz

Massivholzdachstuhl (BSH / CLT)

Brettschichtholz (BSH) oder Brettsperrholz (CLT) für Architekturprojekte mit Sichtholz-Charakter. Höhere Traglasten, grössere Spannweiten bis 20 m möglich, keine sichtbaren Nagelplatten. Aufwändige Planung und Abbund, aber hohe architektonische Qualität.

Kosten: CHF 280–420/m² Dachfläche. Einsatz: Neubauten, Aufstockungen, Sanierungen mit Sichtholzanspruch.

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Holzarten für Dachstühle

Konstruktionsholz wird nach EN 338 in Festigkeitsklassen eingeteilt. Die gängigsten Holzarten im Schweizer Dachstuhlbau:

Fichte C24 – Schweizer Standard

Weitaus meistverwendetes Konstruktionsholz. Günstig, gut verfügbar, leicht zu bearbeiten. Festigkeitsklasse C24 nach EN 338. Trocken eingebaut und belüftet hält Fichtenholz 80–120 Jahre. Nicht für dauernd feuchte Zonen geeignet.

Lärche C30 – für höhere Ansprüche

Härter und witterungsbeständiger als Fichte. Wird für sichtbare Dachvorsprünge, Balkenstirnseiten und exponierte Traufen eingesetzt. Kosten: ca. 25–40 % mehr als Fichte. Natürlicher Harzgehalt schützt vor Feuchtigkeit.

Brettschichtholz (BSH) – für Architekturholzbau

Industriell verleimte Lamellen aus Fichte oder Lärche. Hohe Festigkeit (GL24h–GL36h), masshaltig, kein Schwinden. Ideal für grosse Spannweiten, Sichtholzträger und Sonderformen. Kosten: CHF 800–1'500/m³.

CLT / Brettsperrholz – für Flächentragwerke

Kreuzweise verleimte Holzlagen, sehr steif und für Dachscheiben und Deckenplatten geeignet. Immer häufiger bei modernen Aufstockungen und ökologischen Neubauten. Kosten: CHF 600–1'200/m².

Dachstuhlsanierung: Wann ist ein Ersatz nötig?

Nicht jeder Schaden erfordert einen kompletten Neubau. So beurteilen Zimmermänner den Bestand:

  • Fäulnis und Holzschwamm: Befallene Sparren, Pfetten oder Schwellhölzer müssen vollständig entfernt und ersetzt werden. Tragend betroffene Bauteile erfordern eine temporäre Abstützung während der Sanierung.
  • Holzwurm (Anobien): Aktiver Befall erfordert Heissluft- oder chemische Behandlung. Statisch geschwächte Bauteile ersetzen. Inaktiver Altbefall ohne Statikbeeinträchtigung oft belassbar.
  • Risse und Verformungen: Längsrisse in Sparren und Pfetten sind normal und reduzieren die Tragfähigkeit kaum. Quer- oder Schrägrissse, durchgehende Brüche oder starke Durchbiegungen (> L/150) erfordern Verstärkung oder Ersatz.
Ein typischer Schweizer Dachstuhl aus Fichte aus den 1960er–1980er Jahren hat nach 60 Jahren oft nur punktuelle Schäden an Sparrenfüssen und Traufen – ein Komplettersatz ist selten nötig, gezielte Teilsanierung genügt meist.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sparrendach und Pfettendach?

Beim Sparrendach stützen sich die Sparren gegenseitig ab und formen den First ohne Firstbalken – günstig, bis 9 m Spannweite geeignet. Beim Pfettendach liegen die Sparren auf horizontalen Pfetten auf, die von Innenwänden getragen werden – geeignet für grössere Spannweiten und besseren Dachausbau.

Wie erkenne ich, ob mein Dachstuhl saniert werden muss?

Anzeichen für Sanierungsbedarf: Dunkle Verfärbungen oder weiches Holz an Sparrenfüssen (Fäulnis), kleines rundes Ausflugloch mit feinem Holzmehl (aktiver Holzwurm), Durchbiegungen oder Risse in Pfetten, Feuchtigkeit im Dachraum trotz funktionierender Dacheindeckung. Ein Zimmermann kann den Bestand kostenlos beurteilen.

Brauche ich eine Baubewilligung für eine Dachstuhlsanierung?

Eine gleichartige Dachstuhlsanierung (selbe Konstruktion, selbe Höhe) ist in den meisten Kantonen baubewilligungsfrei. Wenn die Dachform geändert wird (z.B. Satteldach zu Walmdach) oder die Geschossfläche verändert wird, ist eine Bewilligung nötig.

Was kostet ein Dachstuhl pro m² Dachfläche?

Ein Sparrendach aus Schweizer Fichte kostet CHF 150–220/m² Dachfläche inkl. Abbund, Montage und Verbindungsmittel, ohne Gerüst und Eindeckung. Ein Pfettendach kostet CHF 200–280/m². Massivholzdachstühle aus BSH liegen bei CHF 280–420/m².

Was bedeutet Abbund beim Dachstuhlbau?

Abbund bezeichnet das präzise Zuschneiden und Anarbeiten aller Holzteile, bevor sie auf der Baustelle montiert werden. Moderner CNC-Abbund erfolgt in der Werkstatt und ermöglicht passgenaue Verbindungen. Auf der Baustelle werden die vorgefertigten Teile nur noch zusammengesetzt.

Über den Experten

HH
HausHeld Expertenteam

Holzbau & Dachkonstruktionen

Das HausHeld-Expertenteam verfasst den Wissenshub zusammen mit Experten vom Fach. Alle Angaben werden regelmässig auf Aktualität und Marktkonformität geprüft.

Letzte Aktualisierung: Oktober 2026

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